Ein Buchholzrelais ist ein Schutzgerät für ölgefüllte Transformatoren, das Fehler im Inneren des Transformators frühzeitig erkennt, indem es Gasentwicklung und Ölströmungen im Konservatorrohr überwacht. Es zählt zu den wichtigsten Schutzeinrichtungen im Mittelspannungsbereich und kann sowohl einen Voralarm auslösen als auch den Transformator bei schwerwiegenden Störungen automatisch vom Netz trennen. Die folgenden Abschnitte beantworten die häufigsten Fragen rund um Funktion, Einsatz und Wartung des Buchholzschutzes.
Welche Störungen erkennt ein Buchholzrelais im Transformator?
Ein Buchholzrelais erkennt alle Störungen im Transformator, die mit einer Gasentwicklung oder einer erhöhten Ölströmung verbunden sind. Dazu gehören Windungsschlüsse, Kernfehler, Lichtbogenentladungen im Öl, Teilentladungen sowie das Eindringen von Luft in den Ölkreislauf. All diese Fehlerbilder entstehen typischerweise im Inneren des Transformatorkessels und sind von außen nicht direkt sichtbar.
Die Gasentwicklung ist dabei ein zuverlässiger Indikator für thermische oder elektrische Fehler. Wenn Isolieröl durch übermäßige Hitze oder elektrische Entladungen zersetzt wird, entstehen brennbare Gase wie Wasserstoff, Methan oder Acetylen. Diese Gase steigen im Öl auf und sammeln sich im Buchholzrelais, das im Verbindungsrohr zwischen Transformatorkessel und Ölausdehnungsgefäß montiert ist.
Konkret kann das Buchholzrelais folgende Störungsarten detektieren:
- Windungsschlüsse in der Wicklung mit lokaler Überhitzung
- Eisenschlüsse im Transformatorkern
- Lichtbögen zwischen spannungsführenden Teilen
- Schlechte Kontaktstellen und Übergangswiderstände
- Ölmangel durch Leckagen oder Verdampfung
- Eindringen von Luft in das Ölsystem
Je nach Schwere der Störung reagiert das Buchholzrelais entweder mit einem Voralarm oder mit einer sofortigen Abschaltung des Transformators.
Wie funktioniert das Buchholzrelais technisch?
Das Buchholzrelais funktioniert auf Basis zweier Schwimmer, die im Ölstrom zwischen Transformatorkessel und Ausdehnungsgefäß positioniert sind. Der obere Schwimmer reagiert auf langsam aufsteigendes Gas, der untere Schwimmer auf plötzliche Ölströmungen bei schweren Fehlern. Beide Schwimmer betätigen Kontakte, die an das Schutz- und Meldesystem des Transformators angeschlossen sind.
Im Normalbetrieb ist das Gehäuse des Buchholzrelais vollständig mit Öl gefüllt, und beide Schwimmer befinden sich in ihrer oberen Position. Sobald sich Gas im Relaisgehäuse ansammelt, sinkt der Ölspiegel, und der obere Schwimmer bewegt sich nach unten. Ab einem bestimmten Gasvolumen schließt der zugehörige Kontakt und löst den Voralarm aus.
Bei einem schwerwiegenden Fehler, etwa einem Lichtbogen im Öl, entsteht schlagartig eine große Gasmenge. Diese verursacht eine heftige Ölströmung in Richtung Ausdehnungsgefäß. Der untere Schwimmer wird durch diese Strömung ausgelenkt und betätigt sofort den Abschaltkontakt, der den Transformator vom Netz trennt.
Moderne Buchholzrelais verfügen zusätzlich über eine Prüftaste, mit der die Funktion der Kontakte ohne reale Störung simuliert werden kann. Manche Ausführungen besitzen auch ein Gasprobenventil, über das gesammeltes Gas entnommen und analysiert werden kann. Die Gasanalyse gibt Aufschluss darüber, welche Art von Fehler vorliegt und wie dringend Handlungsbedarf besteht. Solche Diagnoseverfahren sind ein wichtiger Bestandteil moderner Energie- und Anlagentechnik.
Was ist der Unterschied zwischen Voralarm und Abschaltung beim Buchholzschutz?
Der Voralarm signalisiert eine langsam fortschreitende, noch tolerierbare Störung und gibt Betreibern Zeit zur Diagnose, während die Abschaltung eine unmittelbare, schwerwiegende Gefahr anzeigt und den Transformator sofort vom Netz trennt. Der Unterschied liegt in der Geschwindigkeit und dem Ausmaß der Gasentwicklung oder Ölströmung.
Der Voralarm wird ausgelöst, wenn sich über einen längeren Zeitraum langsam Gas im Relaisgehäuse ansammelt. Das deutet auf einen schleichenden Fehler hin, zum Beispiel auf eine beginnende Teilentladung oder eine lokale Überhitzung. In diesem Stadium ist der Transformator oft noch betriebsfähig, sollte aber zeitnah inspiziert werden. Betreiber haben die Möglichkeit, eine Gasprobe zu entnehmen und durch eine Ölanalyse die Fehlerursache einzugrenzen, bevor weitere Maßnahmen eingeleitet werden.
Die Abschaltung hingegen erfolgt bei einem plötzlichen, starken Fehler, der eine sofortige Ölströmung verursacht. Hier ist kein Aufschub möglich. Der Transformator wird automatisch abgeschaltet, um Folgeschäden, Brände oder eine Explosion des Ölkessels zu verhindern. Nach einer solchen Abschaltung darf der Transformator nicht einfach wieder zugeschaltet werden, ohne dass eine vollständige Fehleranalyse stattgefunden hat.
In welchen Transformatoren wird ein Buchholzrelais eingesetzt?
Ein Buchholzrelais wird ausschließlich in ölgefüllten Transformatoren eingesetzt, die über ein separates Ausdehnungsgefäß verfügen. Es kommt typischerweise in Mittelspannungstransformatoren ab etwa 1 MVA Leistung zum Einsatz, ist aber auch in kleineren Leistungsklassen verbreitet, wenn die Anlage besonders schutzbedürftig ist.
Trockentransformatoren und Gießharztransformatoren verwenden kein Buchholzrelais, da sie kein Isolieröl enthalten. Bei diesen Bauformen kommen andere Schutzprinzipien zum Einsatz, etwa Temperaturfühler oder Differentialschutz.
Typische Einsatzgebiete für Buchholzrelais-geschützte Transformatoren sind:
- Umspannwerke und Mittelspannungsanlagen in Industriebetrieben
- Netztransformatoren der Energieversorger
- Transformatoren in Kraftwerken und Schaltanlagen
- Bahnstromversorgung und Infrastrukturanlagen
- Große Gewerbe- und Industriegebäude mit eigener Mittelspannungseinspeisung
In der Industrie ist der Buchholzschutz besonders dort unverzichtbar, wo ein ungeplanter Transformatorausfall erhebliche Produktionsausfälle verursachen würde. Das Schutzrelais des Transformators bildet in solchen Anlagen zusammen mit dem Differentialschutz und dem Überstromzeitschutz ein mehrschichtiges Schutzsystem. Die zuverlässige Einbindung solcher Schutzkonzepte in übergeordnete Steuerungsarchitekturen ist ein Kernbereich der Steuerungs- und Automatisierungstechnik.
Wie wird ein Buchholzrelais geprüft und gewartet?
Ein Buchholzrelais wird durch regelmäßige Sichtprüfungen, Funktionsproben der Kontakte und Gasstandkontrollen gewartet. Die Prüfintervalle richten sich nach den Herstellervorgaben und den geltenden Normen, liegen aber in der Regel bei ein bis drei Jahren für die vollständige Funktionsprüfung.
Die Wartung umfasst mehrere Prüfschritte:
- Sichtprüfung: Kontrolle auf Undichtigkeiten, Ölverlust und äußere Beschädigungen am Relaisgehäuse und den Anschlussleitungen.
- Gasstandkontrolle: Prüfung, ob sich Gas im Relaisgehäuse angesammelt hat. Vorhandenes Gas wird über das Probenventil entnommen und analysiert.
- Kontaktprüfung: Betätigung der Prüftaste, um die Funktion der Voralarm- und Abschaltkontakte zu verifizieren und die korrekte Weiterleitung an das Schutzsystem zu bestätigen.
- Ölstandsprüfung: Kontrolle des Ölstands im Relaisgehäuse und im Ausdehnungsgefäß.
- Elektrische Prüfung: Messung des Isolationswiderstands der Kontaktstromkreise.
Wichtig ist, dass Wartungsarbeiten am Buchholzrelais nur durch qualifiziertes Fachpersonal durchgeführt werden. Bei ölgefüllten Anlagen bestehen besondere Anforderungen an den Umgang mit dem Isolieröl sowie an die Arbeitssicherheit. Die einschlägigen VDE-Normen und die technischen Anschlussbedingungen des Netzbetreibers sind dabei stets zu beachten.
Was tun, wenn das Buchholzrelais Alarm auslöst?
Wenn das Buchholzrelais Alarm auslöst, muss sofort eine strukturierte Fehlerdiagnose eingeleitet werden. Bei einem Voralarm ist der Transformator zu inspizieren und eine Gasprobe zu entnehmen, bevor über den Weiterbetrieb entschieden wird. Bei einer Abschaltung darf der Transformator erst nach vollständiger Fehleranalyse und Freigabe durch einen Fachbetrieb wieder in Betrieb genommen werden.
Im Voralarmfall empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
- Betriebssituation dokumentieren und Zeitpunkt des Alarms festhalten
- Gasvolumen im Buchholzrelais prüfen und Gasprobe entnehmen
- Gasprobe durch ein akkreditiertes Labor analysieren lassen (Schlüsselgasanalyse)
- Öltemperatur, Laststrom und Betriebsparameter auswerten
- Auf Basis der Analyseergebnisse über Abschaltung, Lastreduzierung oder Weiterbetrieb entscheiden
Im Abschaltfall gilt: Den Transformator nicht eigenmächtig wieder einschalten. Zunächst muss die Ursache der Störung eindeutig identifiziert werden. Dazu gehören eine visuelle Inspektion, eine Ölanalyse sowie gegebenenfalls eine Wicklungsprüfung. Erst wenn die Fehlerursache beseitigt und der Transformator freigegeben wurde, darf die Anlage wieder zugeschaltet werden.
Ein ausgelöster Buchholzschutz ist immer ein ernstzunehmendes Signal. Selbst wenn der Transformator nach einer Voralarmauslösung noch betriebsfähig erscheint, kann ein unbehandelter Fehler schnell zu einem vollständigen Ausfall oder einem Brandschaden führen.
Wie wir bei KSV bei Transformatorschutz und Mittelspannungsanlagen helfen
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