Zwei Industrietransformatoren auf Metallwerkbank, Stromwandler mit Kupferwicklungen neben Spannungswandler mit isolierten Anschlüssen

Was ist der Unterschied zwischen Strom und Spannungswandler?

In der modernen Elektrotechnik spielen Messwandler eine entscheidende Rolle bei der sicheren und präzisen Erfassung elektrischer Parameter. Besonders in industriellen Anlagen und Mittelspannungssystemen sind Strom- und Spannungswandler unverzichtbare Komponenten der Energie- und Anlagentechnik.

Während beide Wandlertypen der Messung und Überwachung elektrischer Größen dienen, unterscheiden sie sich grundlegend in ihrer Funktionsweise und ihrem Einsatzbereich. Diese Unterschiede zu verstehen, ist entscheidend für die richtige Auswahl und den sicheren Betrieb von Energieverteilungssystemen.

Was sind Stromwandler und wie funktionieren sie?

Stromwandler sind Transformatoren, die hohe Primärströme proportional auf niedrige, messbare Sekundärströme heruntertransformieren. Sie ermöglichen die sichere Messung von Strömen in Hochspannungsanlagen, ohne direkten Kontakt zum Hauptstromkreis.

Das Funktionsprinzip basiert auf elektromagnetischer Induktion. Der zu messende Primärstrom fließt durch die Primärwicklung oder einen Leiter, der den Eisenkern des Wandlers durchsetzt. Dieser Strom erzeugt ein magnetisches Feld, das in der Sekundärwicklung einen proportional kleineren Strom induziert. Das Übersetzungsverhältnis wird durch die Anzahl der Windungen bestimmt und ist standardisiert, beispielsweise 1000:5 A oder 2000:1 A.

Stromwandler werden hauptsächlich für Messungen, Schutzfunktionen und Abrechnungszwecke eingesetzt. Sie isolieren die Messgeräte galvanisch vom Hochspannungsnetz und reduzieren die Stromstärke auf handhabbare Werte für Standardmessgeräte. In Mittelspannungsanlagen sind sie unverzichtbar für die Überwachung der Lastverteilung und den Schutz vor Überströmen.

Was sind Spannungswandler und wofür werden sie eingesetzt?

Spannungswandler sind Präzisionstransformatoren, die hohe Primärspannungen auf niedrige, standardisierte Sekundärspannungen transformieren. Sie ermöglichen die sichere Messung und Überwachung von Spannungen in Hochspannungsnetzen durch Isolation und Spannungsreduktion.

Die Funktionsweise entspricht der eines herkömmlichen Transformators. Die Primärwicklung wird parallel zur zu messenden Spannung geschaltet, während die Sekundärwicklung eine proportional reduzierte Spannung liefert. Typische Übersetzungsverhältnisse sind beispielsweise 20.000:100 V oder 10.000:110 V. Die Sekundärspannung beträgt bei Nennspannung standardmäßig 100 V oder 110 V.

Spannungswandler finden Anwendung in der Spannungsmesstechnik, bei Schutzrelais, in Synchronisierungsschaltungen und für Abrechnungszwecke. Sie sind besonders wichtig für die Überwachung der Netzqualität und die Erkennung von Spannungsabweichungen in Energieverteilungssystemen. In industriellen Anlagen ermöglichen sie die kontinuierliche Überwachung der Versorgungsqualität.

Worin liegt der Hauptunterschied zwischen Strom- und Spannungswandlern?

Der Hauptunterschied liegt in Messart und Schaltungsweise: Stromwandler messen Ströme und werden in Reihe geschaltet, während Spannungswandler Spannungen messen und parallel geschaltet werden. Zudem haben sie unterschiedliche Belastungscharakteristiken und Sicherheitsanforderungen.

Stromwandler arbeiten als Stromquellen und dürfen sekundärseitig niemals im Leerlauf betrieben werden, da dies zu gefährlichen Überspannungen führen kann. Die Sekundärseite muss stets kurzgeschlossen oder belastet sein. Spannungswandler hingegen arbeiten als Spannungsquellen und dürfen sekundärseitig nicht kurzgeschlossen werden.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied besteht in der Genauigkeitsklasse und im Einsatzzweck. Stromwandler für Schutzanwendungen müssen auch bei Überströmen bis zum 20-Fachen des Nennstroms noch zuverlässig funktionieren, während Messwandler für höchste Präzision im Nennbereich optimiert sind. Spannungswandler benötigen eine konstante Genauigkeit über einen weiten Spannungsbereich und sind ein wesentlicher Bestandteil der modernen Mess- und Prüftechnik.

Welche Typen von Messwandlern gibt es in Industrieanlagen?

In Industrieanlagen werden hauptsächlich vier Typen von Messwandlern eingesetzt: Durchführungsstromwandler, Aufsteckstromwandler, induktive Spannungswandler und kapazitive Spannungswandler. Jeder Typ ist für spezifische Spannungsebenen und Einbausituationen optimiert.

Durchführungsstromwandler werden direkt in Schaltanlagen integriert und eignen sich für hohe Ströme und Spannungen. Sie bieten eine kompakte Bauweise und hohe Präzision. Aufsteckstromwandler können nachträglich auf vorhandene Kabel oder Sammelschienen montiert werden, was sie ideal für Nachrüstungen macht.

Bei Spannungswandlern unterscheidet man zwischen induktiven Wandlern für niedrigere Spannungsebenen bis etwa 72,5 kV und kapazitiven Wandlern für Hochspannungsanwendungen. Kombinierte Wandler integrieren beide Funktionen in einem Gehäuse und sparen Platz in der Schaltanlage. Rogowski-Spulen stellen eine moderne Alternative für Strommessungen dar, da sie keine Sättigung aufweisen und einen weiten Messbereich abdecken und häufig in der Steuerungs- und Automatisierungstechnik eingesetzt werden.

Wie wählt man den richtigen Wandler für eine Mittelspannungsanlage aus?

Die Auswahl erfolgt anhand von Nennspannung, Nennstrom, Genauigkeitsklasse, Bürde und Einsatzzweck. Entscheidend sind die elektrischen Parameter der Anlage, die geforderte Messgenauigkeit sowie die angeschlossenen Verbraucher oder Schutzgeräte.

Zunächst müssen die Nennwerte der Anlage ermittelt werden. Die Nennspannung des Wandlers muss der Betriebsspannung entsprechen, während der Nennstrom etwa 120 % des maximalen Betriebsstroms betragen sollte. Die Genauigkeitsklasse richtet sich nach dem Verwendungszweck: Klasse 0,2 oder 0,5 für Abrechnungsmessungen, Klasse 1 oder 3 für Betriebsmessungen sowie spezielle Klassen für Schutzanwendungen.

Die Bürde, also die Belastung der Sekundärseite, muss sorgfältig berechnet werden. Sie umfasst die Leistungsaufnahme aller angeschlossenen Geräte zuzüglich der Verluste der Verbindungsleitungen. Bei der Planung von Mittelspannungsanlagen berücksichtigen wir all diese Faktoren und entwickeln maßgeschneiderte Lösungen, die optimal auf die spezifischen Anforderungen der Energieverteilung abgestimmt sind. Für Unternehmen, die nicht über eigene Fachkräfte verfügen, bieten spezialisierte Lohndienstleistungen eine kosteneffiziente Alternative.

Zusätzlich spielen Umgebungsbedingungen wie Temperatur, Feuchtigkeit und mechanische Belastungen eine Rolle. Die Auswahl der richtigen Isolierstoffklasse und des Schutzgrades gewährleistet eine lange Lebensdauer und einen zuverlässigen Betrieb der Messwandler in industriellen Umgebungen.

Sie haben keine Artikel im Warenkorb.