Die Kennzeichnung von Betriebsmitteln nach DIN EN 81346 erfolgt über ein strukturiertes Referenzkennzeichensystem, das Anlagenteile eindeutig identifizierbar und auffindbar macht. Die Norm legt fest, wie technische Objekte in einer Anlage hierarchisch gegliedert und mit alphanumerischen Kennzeichen versehen werden. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Aufbau, Anwendung und häufige Stolperstellen dieser Norm.
Welche Grundprinzipien legt die DIN EN 81346 für die Strukturierung von Anlagen fest?
Die DIN EN 81346 basiert auf dem Prinzip der aspektorientierten Strukturierung: Jede Anlage wird aus drei unabhängigen Blickwinkeln betrachtet und beschrieben. Diese drei Aspekte sind die Funktionsstruktur, die Produktstruktur und die Ortsstruktur. Durch diese Trennung lässt sich jedes Betriebsmittel eindeutig in seiner Funktion, seiner physischen Beschaffenheit und seinem Einbauort beschreiben.
Der erste Aspekt, die Funktionsstruktur, beantwortet die Frage: Was tut dieses Objekt? Sie beschreibt, welche Aufgabe ein Betriebsmittel innerhalb des Gesamtsystems erfüllt. Der zweite Aspekt, die Produktstruktur, fragt: Was ist dieses Objekt? Hier geht es um den physischen Gegenstand selbst, etwa einen Schütz, einen Schalter oder einen Frequenzumrichter. Der dritte Aspekt, die Ortsstruktur, klärt: Wo befindet sich dieses Objekt? Sie beschreibt den räumlichen Einbauort innerhalb der Anlage.
Dieses Drei-Aspekte-Modell ermöglicht es, komplexe Industrieanlagen systematisch zu gliedern, ohne dass Informationen verloren gehen oder sich überschneiden. Besonders in der Steuerungs- und Automatisierungstechnik, wo Steuerungsanlagen, Schaltschränke und Feldgeräte in großer Anzahl zusammenwirken, schafft dieses Prinzip die notwendige Übersicht für Planung, Inbetriebnahme und Wartung.
Wie ist ein Referenzkennzeichen nach DIN EN 81346 aufgebaut?
Ein Referenzkennzeichen nach DIN EN 81346 besteht aus einem oder mehreren Kennzeichenblöcken, die jeweils mit einem definierten Präfixzeichen eingeleitet werden. Das Gleichheitszeichen (=) kennzeichnet die Funktionsebene, das Minuszeichen (-) die Produktebene und das Pluszeichen (+) die Ortsebene. Mehrere Blöcke können kombiniert werden, um ein vollständiges Referenzkennzeichen zu bilden.
Ein typisches Referenzkennzeichen sieht beispielsweise so aus: =A1-Q1+E1.B2. Dabei steht =A1 für die Funktion (etwa eine Antriebsfunktion), -Q1 für das konkrete Produkt (etwa einen Leistungsschalter) und +E1.B2 für den Einbauort (etwa Schaltschrank E1, Feld B2). Jeder Block ist hierarchisch aufgebaut und kann durch Punkte in weitere Unterebenen unterteilt werden.
Die Buchstaben innerhalb der Blöcke folgen einem standardisierten Klassifizierungscode. Für die Produktstruktur definiert die Norm sogenannte Klassen-Codes, die bestimmten Gerätetypen zugeordnet sind. So steht beispielsweise Q für schaltende und trennende Betriebsmittel, M für Maschinen und T für Transformatoren. Diese Klassifizierung ist international harmonisiert und entspricht der internationalen Fassung IEC 81346.
Was ist der Unterschied zwischen DIN EN 81346 und der alten DIN 40719?
Der wesentliche Unterschied liegt im Strukturierungsansatz: Während die alte DIN 40719 primär auf die Kennzeichnung von Betriebsmitteln in Schaltungsunterlagen ausgerichtet war, verfolgt die DIN EN 81346 einen umfassenden, aspektorientierten Ansatz für die gesamte Anlage. Die DIN EN 81346 ersetzt die DIN 40719 vollständig und bietet einen deutlich breiteren Anwendungsbereich.
Die DIN 40719 kannte im Wesentlichen nur eine Perspektive auf das Betriebsmittel: seine Bezeichnung im Schaltplan. Das führte in der Praxis dazu, dass dieselbe Komponente in Schaltplänen, Aufstellungsplänen und Stücklisten unterschiedlich bezeichnet wurde, was Fehler bei Wartung und Instandhaltung begünstigte.
Die DIN EN 81346 löst dieses Problem durch die konsequente Trennung der drei Aspekte. Dadurch ist ein Betriebsmittel in jedem Dokument eindeutig identifizierbar, unabhängig davon, ob es im Schaltplan, im Lageplan oder in der Komponentenliste auftaucht. Ein weiterer wichtiger Unterschied ist die internationale Harmonisierung: Die DIN EN 81346 entspricht der IEC 81346 und ist damit weltweit anwendbar. Das ist besonders relevant für Unternehmen, die international tätig sind oder Anlagen für globale Märkte planen und realisieren.
Welche Betriebsmittel müssen nach DIN EN 81346 gekennzeichnet werden?
Grundsätzlich müssen alle technischen Objekte einer Anlage gekennzeichnet werden, die eine definierte Funktion erfüllen, physisch vorhanden sind oder einem bestimmten Ort zugeordnet werden können. Das umfasst elektrische Betriebsmittel wie Schalter, Schütze, Frequenzumrichter und Sensoren ebenso wie mechanische und fluidische Komponenten.
In der Elektrotechnik betrifft die Kennzeichnungspflicht insbesondere folgende Kategorien:
- Schalt- und Schutzgeräte (Leistungsschalter, Sicherungen, Schütze)
- Antriebskomponenten (Motoren, Frequenzumrichter, Servoverstärker)
- Mess- und Sensorgeräte (Temperatursensoren, Druckaufnehmer, Encoder)
- Steuerungskomponenten (SPS, Ein- und Ausgabebaugruppen, Kommunikationsmodule)
- Transformatoren und Energieverteilungskomponenten
- Klemmen, Leitungen und Kabeltrassen, sofern sie eine definierte Funktion haben
Die Norm schreibt nicht vor, wie das Kennzeichen physisch angebracht werden muss. Das ist Aufgabe anderer Normen und betrieblicher Vorgaben. DIN EN 81346 definiert ausschließlich die logische Struktur und Systematik des Kennzeichens selbst. In der Praxis werden die Kennzeichen jedoch auf Typenschildern, Kabelmarkierungen und in Schaltplanprogrammen wie EPLAN oder Zuken E3 abgebildet.
Wie wird die DIN EN 81346 in der Praxis der Industrieautomation angewendet?
In der Industrieautomation wird die DIN EN 81346 typischerweise bereits in der Planungsphase eingeführt. Das Kennzeichensystem wird gemeinsam mit dem Kunden oder dem Maschinenbauer festgelegt und dann konsequent durch alle Projektphasen hindurch angewendet, von der Schaltplanerstellung über den Schaltschrankbau bis zur Inbetriebnahme und Dokumentation.
Kennzeichnung in der Schaltplanerstellung
In modernen CAE-Werkzeugen wie EPLAN Electric P8 wird die Referenzkennzeichnung direkt in die Projektstruktur integriert. Jedes Betriebsmittel erhält beim Platzieren im Schaltplan automatisch ein Kennzeichen, das aus der definierten Anlagenstruktur abgeleitet wird. Das verhindert Doppelvergaben und stellt sicher, dass alle Dokumente konsistent sind.
Kennzeichnung am physischen Objekt
Am fertigen Schaltschrank oder an der Anlage werden die Referenzkennzeichen auf Typenschildern, Klemmenmarkierungen und Kabelbeschriftungen angebracht. Diese physische Kennzeichnung ermöglicht es Servicetechnikern, ein Betriebsmittel vor Ort eindeutig zu identifizieren und direkt dem entsprechenden Schaltplan zuzuordnen. In komplexen Produktionsanlagen mit Hunderten von Betriebsmitteln ist diese Eindeutigkeit unverzichtbar für eine effiziente Fehlerdiagnose und Wartung.
Welche häufigen Fehler entstehen bei der Umsetzung der Betriebsmittelkennzeichnung?
Der häufigste Fehler bei der Umsetzung der DIN EN 81346 ist die fehlende oder inkonsistente Trennung der drei Aspekte. Viele Anwender mischen Funktions- und Produktkennzeichen oder verwenden die Präfixzeichen nicht korrekt, was die Lesbarkeit und Auswertbarkeit der Kennzeichen erheblich einschränkt.
Weitere verbreitete Fehlerquellen sind:
- Nachträgliche Einführung des Systems: Wenn die Kennzeichnungssystematik erst nach Beginn der Planung festgelegt wird, entstehen Inkonsistenzen, die aufwendig bereinigt werden müssen.
- Fehlende Projektkonvention: Ohne eine schriftlich festgelegte Kennzeichenkonvention interpretieren verschiedene Planer die Norm unterschiedlich, was zu widersprüchlichen Kennzeichen führt.
- Falsche Klassifizierungscodes: Die Buchstabencodes für Geräteklassen werden verwechselt oder frei erfunden, anstatt die in der Norm definierten Klassen zu verwenden.
- Unvollständige Kennzeichnung: Nicht alle Betriebsmittel werden erfasst, etwa weil Klemmen oder Hilfsstromkreise vergessen werden.
- Keine Pflege der Dokumentation: Wenn Änderungen an der Anlage nicht in der Dokumentation nachgezogen werden, verliert das Kennzeichensystem schnell seinen Wert.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Verwechslung der DIN EN 81346 mit einer reinen Schaltplan-Norm. Die Norm gilt für die gesamte Anlage und alle technischen Disziplinen. Wer sie nur auf die Elektrotechnik beschränkt, verschenkt einen großen Teil des Nutzens, besonders in integrierten Projekten, bei denen Mechanik, Hydraulik und Energie- und Anlagentechnik zusammenwirken.
Wie KSV bei der normgerechten Betriebsmittelkennzeichnung unterstützt
Wir bei KSV wissen aus langjähriger Projekterfahrung, dass eine saubere Betriebsmittelkennzeichnung nach DIN EN 81346 keine lästige Pflicht ist, sondern die Grundlage für effiziente Wartung, schnelle Fehlerdiagnose und reibungslose Anlagenerweiterungen. Als Spezialist für Industrieautomation und Energieverteilung setzen wir die Norm konsequent in allen Projektphasen um.
Konkret unterstützen wir unsere Kunden dabei auf folgende Weise:
- Entwicklung einer projektspezifischen Kennzeichenkonvention bereits in der Planungsphase
- Normkonforme Schaltplanerstellung mit EPLAN, inklusive durchgängiger Referenzkennzeichnung
- Physische Kennzeichnung aller Betriebsmittel am Schaltschrank und in der Anlage
- Vollständige und konsistente Anlagendokumentation, die mit der Anlage mitwächst
- Schulung und Abstimmung mit dem Kundenpersonal für eine einheitliche Anwendung vor Ort
Ob Neuanlage, Modernisierung einer bestehenden Produktionslinie oder Erweiterung eines laufenden Systems: Wir begleiten Sie von der ersten Strukturierung bis zur abnahmereifen Dokumentation. Sprechen Sie uns an und lassen Sie uns gemeinsam die passende Kennzeichnungssystematik für Ihre Anlage entwickeln.


