Das Auslagern der SPS-Programmierung für Bestandsanlagen lohnt sich dann, wenn internes Know-how fehlt, Kapazitäten ausgelastet sind oder eine Modernisierung ohne Betriebsunterbrechung gelingen soll. Für viele Industrieunternehmen ist die externe SPS-Programmierung kein Kompromiss, sondern eine strategische Entscheidung, die Zeit, Kosten und Qualität optimiert. Die folgenden Fragen helfen dabei, die richtige Entscheidung für die eigene Situation zu treffen.
Wann lohnt sich das Outsourcing der SPS-Programmierung wirklich?
Das Outsourcing der SPS-Programmierung lohnt sich vor allem dann, wenn das eigene Team keine freien Kapazitäten hat, spezifisches Fachwissen für bestimmte Steuerungssysteme fehlt oder ein Modernisierungsprojekt zeitkritisch ist. Besonders bei Bestandsanlagen, die im laufenden Betrieb modernisiert werden müssen, bringt ein erfahrener externer Dienstleister echten Mehrwert.
In der Praxis gibt es mehrere typische Situationen, in denen das Auslagern der Steuerungstechnik klar sinnvoller ist als eine interne Lösung:
- Veraltete Steuerungssysteme: Wenn eine Bestandsanlage auf einer älteren SPS-Plattform läuft und das interne Team mit der zugehörigen Programmierumgebung nicht mehr vertraut ist, ist externer Support oft die schnellste Lösung.
- Einmalige oder seltene Projekte: Für Retrofit-Maßnahmen, die nicht zum Tagesgeschäft gehören, lohnt sich der Aufbau eigener Kompetenz selten.
- Engpässe in der Personalplanung: Wenn qualifizierte SPS-Programmierer intern nicht verfügbar sind, können externe Dienstleister Engpässe überbrücken, ohne dass eine Festanstellung nötig ist.
- Komplexe Integrationsaufgaben: Bei der Anbindung von IT- und OT-Systemen, etwa für IoT-Lösungen oder digitale Zwillinge, ist spezialisiertes Fachwissen gefragt, das intern häufig nicht vorhanden ist.
Grundsätzlich gilt: Je klarer die Anforderungen definiert sind und je weniger das Projekt zum Kerngeschäft des eigenen Unternehmens gehört, desto stärker spricht das für die externe Vergabe der SPS-Programmierung.
Was kostet die externe SPS-Programmierung für Bestandsanlagen?
Die Kosten für externe SPS-Programmierung bei Bestandsanlagen variieren stark und hängen von der Komplexität der Anlage, dem eingesetzten Steuerungssystem und dem Umfang der Anpassungen ab. Ein pauschaler Preis existiert nicht, aber die Kostenstruktur lässt sich gut einschätzen, wenn man die wesentlichen Faktoren kennt.
Folgende Kostentreiber sind bei der SPS-Programmierung von Bestandsanlagen besonders relevant:
- Analyse und Dokumentation: Bevor eine Bestandsanlage modernisiert werden kann, muss der Ist-Zustand aufgenommen werden. Fehlt eine aktuelle Dokumentation, steigt der Aufwand erheblich.
- Komplexität des Steuerungsprogramms: Einfache Anpassungen an bestehenden Programmen sind deutlich günstiger als vollständige Neuprogrammierungen oder die Migration auf eine neue Plattform.
- Inbetriebnahme und Tests: Gerade bei Bestandsanlagen im laufenden Betrieb erfordert die Inbetriebnahme sorgfältige Planung, was zusätzliche Zeit und damit Kosten bedeutet.
- Reisekosten und Vor-Ort-Einsätze: Je nach Standort und Projektumfang können Anfahrtskosten und Vor-Ort-Zeiten einen relevanten Anteil am Gesamtbudget ausmachen.
Ein wichtiger Aspekt bei der Kostenbewertung ist der Vergleich mit den Alternativen. Die Einstellung und Einarbeitung eigener SPS-Programmierer, der mögliche Produktionsausfall bei einer schlecht geplanten Modernisierung oder teure Fehler durch mangelnde Erfahrung können die scheinbar günstigere interne Lösung schnell teurer machen als der externe Dienstleister.
Welche Risiken entstehen beim Auslagern der SPS-Programmierung?
Beim Auslagern der SPS-Programmierung entstehen vor allem Risiken rund um Wissensabfluss, Abhängigkeiten vom Dienstleister und mangelnde Dokumentation. Diese Risiken sind real, aber mit der richtigen Vertragsgestaltung und Projektstruktur gut beherrschbar.
Die häufigsten Risiken beim Steuerungstechnik-Outsourcing und wie man ihnen begegnet:
- Verlust von internem Know-how: Wenn alle Programmierkenntnisse beim externen Dienstleister liegen, kann das interne Team bei Störungen nicht eigenständig reagieren. Gegenmittel: Schulungen des eigenen Personals als Projektbestandteil einfordern.
- Abhängigkeit vom Dienstleister: Proprietäre Lösungen oder fehlende Dokumentation können dazu führen, dass ein Wechsel des Dienstleisters schwierig wird. Gegenmittel: Vollständige Übergabe aller Quellcodes und Dokumentationen vertraglich sichern.
- Qualitätsprobleme: Ein Dienstleister ohne ausreichende Erfahrung mit der spezifischen Anlage oder Branche kann Fehler einbringen, die erst im Betrieb sichtbar werden. Gegenmittel: Referenzen prüfen und einen strukturierten Abnahme- und Testprozess vereinbaren.
- IT-Security-Risiken: Externe Zugriffe auf Steuerungssysteme öffnen potenzielle Angriffsflächen. Gegenmittel: Klare Regelungen für Remote-Zugriffe, Firewalls und Benutzerverwaltung sind essenziell.
Wer diese Punkte von Anfang an in die Projektplanung einbezieht, kann die Risiken des Outsourcings deutlich reduzieren, ohne auf die Vorteile verzichten zu müssen.
Wie läuft die Zusammenarbeit mit einem externen SPS-Dienstleister ab?
Die Zusammenarbeit mit einem externen SPS-Dienstleister beginnt typischerweise mit einer Ist-Analyse der Bestandsanlage, gefolgt von Konzepterstellung, Programmierung, Tests und schließlich der Inbetriebnahme vor Ort. Ein strukturiertes Projektmanagement ist dabei der Schlüssel zum Erfolg.
Ein bewährter Ablauf sieht in der Praxis so aus:
- Anforderungsaufnahme: Der Dienstleister kommt vor Ort, analysiert die bestehende Anlage und nimmt die Anforderungen auf. Vorhandene Dokumentationen, Stromlaufpläne und bestehende Programme werden gesichtet.
- Konzept und Planung: Auf Basis der Analyse wird ein technisches Konzept erstellt. Hier werden Umfang, Zeitplan und Budget abgestimmt.
- Programmierung und Simulation: Die eigentliche Programmierarbeit findet oft zunächst außerhalb der Anlage statt. Moderne Methoden wie virtuelle Inbetriebnahme und digitale Zwillinge ermöglichen es, das Programm vorab zu testen, bevor es an der realen Anlage eingesetzt wird. Das spart Zeit und reduziert das Risiko von Produktionsausfällen erheblich.
- Inbetriebnahme: Nach dem Test erfolgt die Inbetriebnahme an der Anlage, idealerweise in einem geplanten Wartungsfenster oder schrittweise im laufenden Betrieb.
- Dokumentation und Übergabe: Am Ende des Projekts werden alle Programme, Dokumentationen und Schulungsunterlagen übergeben.
Gutes Projektmanagement auf beiden Seiten ist dabei keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Grundvoraussetzung. Klare Kommunikationswege, definierte Ansprechpartner und regelmäßige Statusberichte helfen, das Projekt im Zeit- und Kostenrahmen zu halten.
Welche SPS-Systeme und Hersteller beherrschen externe Dienstleister?
Erfahrene SPS-Dienstleister beherrschen in der Regel die gängigen Plattformen der führenden Hersteller wie Siemens, Rockwell Automation, Beckhoff, Schneider Electric und Phoenix Contact. Für Bestandsanlagen ist besonders wichtig, dass der Dienstleister auch ältere Systemgenerationen kennt.
Bei der Auswahl eines Dienstleisters für die SPS-Programmierung von Bestandsanlagen sollte man auf folgende Punkte achten:
- Herstellerzertifizierungen: Zertifizierungen wie der Siemens Solution Partner Status belegen nachgewiesene Systemkompetenz auf einer bestimmten Plattform.
- Herstellerunabhängigkeit: Dienstleister, die mehrere Plattformen beherrschen, können die für die jeweilige Aufgabe beste Lösung empfehlen, anstatt eine bestimmte Technologie zu bevorzugen.
- Erfahrung mit Bestandssystemen: Nicht jeder Dienstleister, der neue Anlagen programmiert, kennt sich auch mit der Migration und Modernisierung älterer Systeme aus. Referenzprojekte sind hier aussagekräftiger als Herstellerlisten.
- Branchenkenntnis: Spezifische Branchenanforderungen, etwa in der Lebensmittel-, Automobil- oder Pharmaindustrie, erfordern neben der SPS-Kompetenz auch Prozesswissen.
Für Bestandsanlagen ist es außerdem wichtig, dass der Dienstleister Erfahrung mit Steuerungstechnik und Automatisierungslösungen im laufenden Betrieb hat, da Modernisierungen oft unter Produktionsdruck stattfinden.
Wann sollte man die SPS-Programmierung lieber intern behalten?
Die SPS-Programmierung sollte intern bleiben, wenn sie zum täglichen Kerngeschäft gehört, ein eigenes Team mit ausreichender Kapazität und aktuellem Know-how vorhanden ist oder die Anlage so sicherheitskritisch ist, dass externe Zugriffe unerwünscht sind. In diesen Fällen überwiegen die Vorteile der internen Kontrolle.
Konkrete Szenarien, in denen das interne Team die bessere Wahl ist:
- Häufige und kurzfristige Anpassungen: Wenn Produktionsprogramme regelmäßig geändert werden müssen und schnelle Reaktionszeiten entscheidend sind, ist ein internes Team effizienter als die Koordination mit einem externen Dienstleister.
- Strategisches Know-how: Wenn die Steuerungslogik ein wesentlicher Teil des Wettbewerbsvorteils ist, sollte dieses Wissen im Unternehmen bleiben.
- Hohes Sicherheitsniveau: In Bereichen mit strengen Anforderungen an Safety und Security, etwa in der Pharmaindustrie oder bei kritischer Infrastruktur, kann die Einschränkung externer Zugriffe eine bewusste Entscheidung sein.
- Kontinuierliche Weiterentwicklung: Wenn eine Anlage dauerhaft weiterentwickelt wird und das interne Team mit der Plattform vertraut ist, ist die Lernkurve für einen externen Dienstleister oft zu steil, um wirtschaftlich zu sein.
Die ehrliche Antwort ist: Viele Unternehmen fahren mit einem hybriden Ansatz am besten. Das interne Team übernimmt den laufenden Betrieb und kleinere Anpassungen, während externe Spezialisten bei Modernisierungsprojekten, Plattformwechseln oder kapazitätsbedingten Engpässen eingebunden werden.
Wie KSV bei der SPS-Programmierung von Bestandsanlagen unterstützt
Wir bei KSV übernehmen die SPS-Programmierung für Bestandsanlagen als vollständige Engineering-Dienstleistung, von der ersten Analyse bis zur abgeschlossenen Inbetriebnahme. Dabei arbeiten wir herstellerunabhängig und bringen als zertifizierter Siemens Solution Partner für Factory Automation nachgewiesene Systemkompetenz mit.
Was wir konkret für Sie leisten:
- Aufnahme und Dokumentation des Ist-Zustands Ihrer Bestandsanlage
- Konzeption und Programmierung von SPS-Steuerungen auf allen gängigen Plattformen
- Erstellung und Pflege von SPS-Bibliotheken und HMI-Elementen für eine standardisierte Steuerungsstruktur
- Virtuelle Inbetriebnahme und Simulation mit digitalem Zwilling, um Risiken vor dem realen Einsatz zu minimieren
- Modernisierung im laufenden Betrieb, Linie für Linie, ohne unnötige Produktionsunterbrechungen
- Schulung Ihres Teams nach der Inbetriebnahme, damit internes Know-how aufgebaut wird
- Projektmanagement und Koordination, auch wenn weitere Gewerke beteiligt sind
Wir haben Erfahrung in der Automobilindustrie, der Getränke- und Verpackungsindustrie, im Maschinenbau und in vielen weiteren Branchen. Unsere Referenzen reichen von der Modernisierung mehrzeiliger Abfüllanlagen bis zur Integration von Gasturbinensteuerungen. Wenn Sie wissen möchten, wie wir Ihr konkretes Projekt angehen würden, sprechen Sie uns an. Wir freuen uns auf das Gespräch.

