Einen Schaltplan nach DIN EN 61082 erstellt man, indem man die in der Norm festgelegten Darstellungsregeln, Symbole und Strukturvorgaben konsequent anwendet. Die Norm definiert, wie elektrotechnische Dokumente aufgebaut, beschriftet und strukturiert sein müssen, damit sie eindeutig lesbar und international verständlich sind. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um die normgerechte Schaltplanerstellung.
Welche Anforderungen stellt die DIN EN 61082 an einen Schaltplan?
Die DIN EN 61082 legt fest, dass elektrotechnische Dokumente einheitlich, vollständig und eindeutig dargestellt werden müssen. Sie definiert Anforderungen an Schriftfelder, Symbole, Kennzeichnungssysteme, Zeichnungsformate und die Strukturierung von Stromlaufplänen. Ziel ist eine normgerechte Dokumentation, die von Fachkräften weltweit ohne Rückfragen interpretiert werden kann.
Die Norm gliedert sich in mehrere Teile. Teil 1 behandelt allgemeine Anforderungen an elektrotechnische Zeichnungen, Teil 3 befasst sich speziell mit Verbindungsdiagrammen und Stromlaufplänen. Für die Praxis bedeutet das: Jede elektrotechnische Zeichnung muss einem definierten Aufbau folgen, der Lesbarkeit und Nachvollziehbarkeit über den gesamten Lebenszyklus einer Anlage hinweg sicherstellt.
Zu den zentralen Anforderungen gehören:
- Eindeutige Kennzeichnung aller Betriebsmittel nach dem Kennzeichnungssystem DIN EN 81346
- Normgerechte Schriftfelder mit Pflichtangaben wie Projektbezeichnung, Zeichnungsnummer, Revisionsstand und Verantwortlichkeiten
- Einheitliche Symbolik gemäß DIN EN 60617 für alle dargestellten Komponenten
- Lesbare Leitungsführung mit klarer Unterscheidung von Hauptstromkreis und Steuerstromkreis
- Vollständige Betriebsmittellisten als ergänzende Dokumentation
Die Norm gilt branchenübergreifend und ist damit eine verbindliche Grundlage für alle, die elektrotechnische Dokumentation professionell erstellen oder prüfen. Sie bildet insbesondere in der Steuerungs- und Automatisierungstechnik einen unverzichtbaren Standard.
Welche Symbole und Schriftfelder sind nach DIN EN 61082 vorgeschrieben?
Nach DIN EN 61082 sind Symbole aus der Normenreihe DIN EN 60617 zu verwenden, die grafische Symbole für elektrotechnische Schaltpläne definiert. Das Schriftfeld muss mindestens Angaben zu Firma, Projektnummer, Zeichnungsnummer, Blattbezeichnung, Maßstab, Datum und Bearbeiter enthalten. Abweichungen von diesen Mindestinhalten sind nur zulässig, wenn sie ausdrücklich vereinbart wurden.
Normgerechte Symbole nach DIN EN 60617
Die Symbole für Schalter, Schütze, Motoren, Transformatoren, Sicherungen und viele weitere Betriebsmittel sind in der DIN EN 60617 standardisiert. Diese Norm umfasst mehrere Teile, die unterschiedliche Gerätekategorien abdecken. Wichtig ist, dass keine selbst erfundenen oder herstellerspezifischen Symbole verwendet werden, sofern ein normiertes Symbol existiert. Nur wo die Norm keine Darstellung vorgibt, darf ein eigenes Symbol eingeführt werden, das dann im Schaltplan erklärt werden muss.
Aufbau und Inhalt des Schriftfelds
Das Schriftfeld ist die Visitenkarte eines jeden Schaltplans. Es befindet sich üblicherweise in der rechten unteren Ecke des Zeichnungsblatts und enthält strukturierte Informationen zur Identifikation des Dokuments. Pflichtangaben sind Projektname, Zeichnungsnummer, Revisionsstand mit Datum und Bearbeiter sowie die ausführende Firma. In der industriellen Praxis werden häufig auch Anlagenbezeichnung, Auftraggeber und Genehmigungsvermerke ergänzt. Ein vollständig ausgefülltes Schriftfeld ist keine Formalie, sondern Voraussetzung für eine rechtssichere und revisionsfähige Dokumentation.
Wie wird ein Schaltplan nach DIN EN 61082 strukturell aufgebaut?
Ein normgerechter Schaltplan nach DIN EN 61082 wird von links nach rechts und von oben nach unten gelesen. Der Hauptstromkreis wird üblicherweise oben oder links dargestellt, der Steuerstromkreis darunter oder rechts. Jedes Blatt erhält eine eindeutige Seitennummer, und Querverweise zwischen Blättern müssen nachvollziehbar und vollständig sein.
Der strukturelle Aufbau folgt einer klaren Logik:
- Deckblatt und Inhaltsverzeichnis: Überblick über alle enthaltenen Dokumente und Blätter
- Übersichtsschaltplan: Darstellung der Gesamtanlage mit Hauptkomponenten und Energieflüssen
- Stromlaufplan: Detaillierte Darstellung aller Schaltkreise mit Betriebsmittelkennzeichnung
- Klemmenplan: Zuordnung aller Anschlüsse und Klemmen
- Kabelliste und Betriebsmittelliste: Tabellarische Ergänzungen zur vollständigen Dokumentation
Innerhalb des Stromlaufplans werden Betriebsmittel nach DIN EN 81346 eindeutig gekennzeichnet. Das bedeutet: Jedes Bauteil erhält eine strukturierte Bezeichnung, die Rückschlüsse auf seine Funktion und seinen Einbauort ermöglicht. Querverweise, zum Beispiel auf Spulenkontakte oder Folgeseiten, werden mit Seitenangaben und Koordinaten versehen, damit der Leser schnell navigieren kann. Gerade in der Energie- und Anlagentechnik ist eine lückenlose Strukturierung der Dokumentation über den gesamten Anlagenlebenszyklus entscheidend.
Welche Software eignet sich zur normgerechten Schaltplanerstellung?
Zur normgerechten Erstellung von Schaltplänen nach DIN EN 61082 eignen sich spezialisierte CAE-Programme wie EPLAN Electric P8, Zuken E3.series oder SEE Electrical. Diese Werkzeuge enthalten normkonforme Symbolbibliotheken, automatische Betriebsmittelkennzeichnung und integrierte Schriftfeldverwaltung, die die Anforderungen der Norm direkt abbilden.
Allgemeine CAD-Programme wie AutoCAD können für einfache Schaltpläne eingesetzt werden, erfordern aber erheblichen manuellen Aufwand, um die Normkonformität sicherzustellen. Fehler bei Kennzeichnungen, Querverweisen oder Schriftfeldinhalten entstehen hier deutlich häufiger. Für professionelle elektrotechnische Dokumentation in der Industrie sind daher dedizierte CAE-Lösungen der Standard.
Bei der Softwareauswahl sind folgende Kriterien entscheidend:
- Integrierte Normkonformität: Automatische Prüfung auf korrekte Kennzeichnungen und Symbole
- Datenbankanbindung: Direkter Zugriff auf Herstellerdaten und Artikelstammdaten
- Revisionsverwaltung: Nachvollziehbare Änderungshistorie für alle Dokumentversionen
- Exportfunktionen: Ausgabe in PDF, DXF und andere Standardformate
- Skalierbarkeit: Eignung für kleine Einzelprojekte ebenso wie für komplexe Großanlagen
Wir bei KSV arbeiten mit EPLAN als Dokumentationswerkzeug und bieten darüber hinaus EPLAN-Dienstleistungen an, sodass Kunden normgerechte Dokumentation direkt aus einer Hand erhalten.
Welche häufigen Fehler entstehen beim Erstellen von Schaltplänen nach DIN EN 61082?
Die häufigsten Fehler beim Erstellen normgerechter Schaltpläne sind unvollständige Schriftfelder, inkonsistente Betriebsmittelkennzeichnungen, fehlende oder falsche Querverweise sowie die Verwendung nicht normierter Symbole. Diese Fehler gefährden nicht nur die Lesbarkeit, sondern können auch rechtliche und sicherheitstechnische Konsequenzen haben.
In der Praxis begegnen uns folgende Fehlerquellen besonders häufig:
- Uneinheitliche Kennzeichnung: Gleiche Betriebsmittel werden auf verschiedenen Blättern unterschiedlich bezeichnet, was Verwechslungen beim Aufbau und bei der Fehlersuche verursacht
- Fehlende Querverweise: Spulen und Kontakte eines Schützes sind nicht miteinander verknüpft, sodass der Leser die Zuordnung nicht nachvollziehen kann
- Veraltete Symbole: Es werden Symbole aus älteren Normen verwendet, die durch DIN EN 60617 ersetzt wurden
- Unvollständige Schriftfelder: Revisionsstände oder Bearbeiterzuordnungen fehlen, was die Dokumentation nicht revisionsfähig macht
- Keine Trennung von Haupt- und Steuerstromkreis: Beide Kreise werden ohne klare visuelle Unterscheidung dargestellt
- Fehlende Betriebsmittellisten: Die tabellarische Ergänzung zum Schaltplan wird weggelassen, obwohl sie für Wartung und Instandhaltung unverzichtbar ist
Viele dieser Fehler entstehen, wenn Schaltpläne ohne spezialisierte CAE-Software erstellt werden oder wenn keine interne Prüfroutine vor der Freigabe stattfindet. Eine strukturierte Qualitätskontrolle, idealerweise durch eine zweite Fachkraft, reduziert diese Fehler erheblich.
Wer darf Schaltpläne nach DIN EN 61082 erstellen und prüfen?
Schaltpläne nach DIN EN 61082 dürfen von Personen mit elektrotechnischer Fachausbildung erstellt werden, also von Elektroingenieuren, Elektrotechnikern oder staatlich geprüften Technikern mit entsprechendem Fachwissen. Für die Prüfung und Freigabe ist eine verantwortliche Elektrofachkraft erforderlich, die die Normkonformität und technische Richtigkeit beurteilen kann.
Die Norm selbst schreibt keine formale Zertifizierung für den Ersteller vor, jedoch setzt die Qualität normgerechter Dokumentation fundierte Kenntnisse der relevanten Normenreihen voraus. Dazu gehören neben der DIN EN 61082 auch die DIN EN 60617 für Symbole, die DIN EN 81346 für Kennzeichnungssysteme sowie die einschlägigen VDE-Bestimmungen für den jeweiligen Anwendungsbereich.
In der industriellen Praxis gilt folgendes Prinzip: Ersteller und Prüfer sollten nicht identisch sein. Erst durch eine unabhängige Prüfung lassen sich Fehler in Kennzeichnung, Querverweisen und Schriftfeldinhalten zuverlässig erkennen. In regulierten Branchen wie der Pharmaindustrie oder der Lebensmittelproduktion ist eine dokumentierte Vier-Augen-Prüfung häufig sogar Bestandteil der Qualitätsmanagementsysteme.
Für Unternehmen, die keine eigene Elektrokonstruktionsabteilung unterhalten, bietet die Vergabe an spezialisierte Dienstleister eine sinnvolle Alternative. Dabei ist darauf zu achten, dass der Dienstleister nachweislich nach den aktuellen Normenständen arbeitet und die Dokumentation vollständig übergeben wird. Mehr über unsere Arbeitsweise und unser Leistungsspektrum erfahren Sie auf unserer Unternehmensseite.
Wie KSV bei der normgerechten Schaltplanerstellung unterstützt
Normgerechte elektrotechnische Dokumentation ist kein Selbstzweck, sondern die Grundlage für sichere Inbetriebnahmen, reibungslose Wartung und rechtssichere Anlagendokumentation. Wir bei KSV unterstützen Industrieunternehmen und Fertigungsbetriebe bei der vollständigen elektrotechnischen Dokumentation und Realisierung, von der ersten Planung bis zur betriebsbereiten Anlage.
Unser Leistungsangebot umfasst unter anderem:
- EPLAN-Dienstleistungen für normgerechte Schaltplanerstellung nach DIN EN 61082
- Planung und Bau von Schaltschränken inklusive vollständiger Dokumentation
- SPS- und HMI-Programmierung mit durchgängiger Projektdokumentation
- Energiemanagement und Gebäudeleittechnik als ganzheitlicher Ansatz aus Planung, Bau, Installation, Inbetriebnahme und Wartung
- Beratung zur Anlagenmodernisierung mit normkonformer Aktualisierung bestehender Dokumentation
Ob Neuprojekt oder Modernisierung bestehender Anlagen: Wir bieten Ihnen branchenunabhängige Lösungen aus einer Hand. Sprechen Sie uns an und erfahren Sie, wie wir Ihre elektrotechnische Dokumentation auf den aktuellen Normenstand bringen.


